6 Minuten Lesezeit
Wenn ChatGPT Ihre Seite nicht sieht
Seit dem Sommer 2025 sperren manche Dienste die Crawler der KI-Anbieter von sich aus, ohne dass der Betreiber der Website davon etwas erfährt. Wer wissen will, ob er betroffen ist, braucht dafür zwei Minuten.
Rubrik:Sichtbarkeit
Stand:24. August 2026

Wenn ein Kunde uns fragt, warum seine Firma in ChatGPT nicht vorkommt, ist die erste Vermutung fast immer dieselbe. Der Inhalt sei zu dünn, die Seite zu alt, die Konkurrenz zu groß. Manchmal stimmt das. In den letzten Monaten liegt es aber immer öfter an etwas anderem, und das Ärgerliche daran ist, dass es niemand im eigenen Haus entschieden hat.
Eine Sperre, die niemand gesetzt hat
Cloudflare liegt als Zwischenschicht vor einem großen Teil aller Websites und entscheidet, wer eine Seite abrufen darf und wer nicht. Seit dem 1. Juli 2025 blockt Cloudflare die bekannten KI-Crawler bei neu angelegten Domains standardmäßig. Ab dem 15. September 2026 kommen weitere Fälle dazu, unter anderem alle Kunden im kostenlosen Tarif.
Das Entscheidende ist, wo diese Sperre steht. Sie steht nicht in der robots.txt, die jeder aufrufen und lesen kann, sondern in den Einstellungen des Dienstes davor. Cloudflare sagt das selbst sehr deutlich: die verwaltete robots.txt drücke eine Bitte aus, die Crawler-Steuerung dagegen setze sie durch. Ein Betrieb kann also aus den Antworten von ChatGPT verschwinden, ohne dass an seiner Website eine einzige Zeile geändert wurde.
Der Test dauert zwei Minuten
Man ruft die eigene Startseite dreimal ab und gibt sich dabei als der jeweilige Bot aus. Einmal als OAI-SearchBot, der für ChatGPT sucht, einmal als PerplexityBot und einmal als ClaudeBot. Kommt dreimal eine 200 zurück, ist alles in Ordnung. Kommt eine 403 oder eine 402, ist die Seite für diesen Dienst zu.
Wir machen diesen Test bei jedem Erstgespräch, weil er messbar ist, weil man über das Ergebnis nicht streiten kann und weil er sich in wenigen Minuten beheben lässt. Es ist der einzige Befund aus dem ganzen Bereich, bei dem zwischen Feststellung und Lösung nichts als eine Einstellung liegt.
Warum GPTBot nicht die Antwort ist
OpenAI betreibt drei verschiedene Bots, und sie tun drei verschiedene Dinge. GPTBot sammelt Trainingsdaten. OAI-SearchBot füttert die Suche in ChatGPT. ChatGPT-User ruft eine Seite in dem Moment ab, in dem jemand im Chat danach fragt. Wer GPTBot erlaubt und die anderen beiden sperrt, hat für die Sichtbarkeit in ChatGPT nichts gewonnen.
Bei Google ist es genauso trennscharf und wird genauso oft verwechselt. Google-Extended steuert allein das Training und die Anbindung von Gemini. Die AI Overviews in der normalen Suche laufen über den gewöhnlichen Googlebot und über den normalen Suchindex. Wer aus den AI Overviews heraus möchte, müsste den Googlebot sperren und wäre damit auch aus der Google-Suche verschwunden.
Erreichbar sein ist erst der Anfang
Eine offene Tür bedeutet noch nicht, dass jemand hereinkommt. Nach einer Auswertung von AirOps werden 85 Prozent der Seiten, die ChatGPT abruft, in der Antwort nie zitiert. Abrufbar zu sein ist die Voraussetzung, mehr nicht.
Was danach zählt, ist die Form. Eine KI zitiert nicht die Seite, sondern den einzelnen Absatz. Eine Seite je Teilfrage schlägt eine lange Seite, die alles auf einmal beantwortet, und eine Überschrift im Wortlaut der Frage schlägt eine Überschrift, die nur ein Schlagwort trägt.
Was das für Ihren Betrieb heißt
Sehen Sie zuerst nach, ob die Tür überhaupt offen steht. Das ist die Arbeit von zwei Minuten und beantwortet die Frage, ob es sich lohnt, über alles Weitere nachzudenken.
Danach hilft nichts an dieser Stelle so sehr wie das, was außerhalb Ihrer eigenen Domain über Sie steht. Nach einer Erhebung von Muck Rack über mehr als 25 Millionen Links stammen 84 Prozent der Quellen, die KI-Systeme zitieren, aus fremden Veröffentlichungen und nur ein Bruchteil aus bezahlten Inhalten. Ihre eigene Website ist die Grundlage. Sie ist nicht der ganze Hebel.

